In Deutschland wurden im Jahr 2024 16.354 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch angezeigt. Das Dunkelfeld ist aber um ein Vielfaches größer. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass bis zu eine Million Kinder und Jugendliche in Deutschland bereits sexuelle Gewalt durch Erwachsene erfahren mussten oder erfahren. Das sind rund ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse. Viele dieser Fälle gehen nicht in die Kriminalstatistik ein, weil sie nie zur Anzeige gebracht werden, und bilden sich auch ansonsten nicht im polizeilichen Hellfeld ab.
Wie häufig ist sexueller Missbrauch?
Präzise Angaben zur Häufigkeit von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gibt nur Aufschluss über die Fälle, die polizeilich angezeigt und strafrechtlich verfolgt werden (polizeiliches Hellfeld). Für das Jahr 2024 verzeichnet die PKS:
- 16.354 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch
- 1.191 Fälle von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen
- 446 Fälle von sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen ab 14 Jahren
- 42.854 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Missbrauchsdarstellungen, sogenannter Kinderpornografie
- 9.601 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Jugendpornografie
Die Zahl der angezeigten Fälle steigt
Die Zahlen in der Kriminalstatistik steigen seit einigen Jahren an. Das kann teilweise auch die Folge einer erhöhten Bereitschaft zur Anzeige sein. Besonders bei Missbrauchsdarstellungen von Kindern und Jugendpornografie im Internet hat sich die Zahl von 2020 (21.868 Fälle) auf 2024 (52.455 Fälle) aber mehr als verdoppelt. Da nur ein kleiner Teil der Taten angezeigt oder in den Versorgungssystemen dokumentiert wird, werden sehr viele Taten nicht statistisch erfasst und bleiben deshalb im Dunkelfeld.
Die aktuell verfügbaren Angaben zur Häufigkeit von sexueller Gewalt, zu betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie zu Tätern und Täterinnen sind aus sehr unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und daher nur sehr eingeschränkt miteinander vergleichbar.
Eine nationale Prävalenzforschung zur Häufigkeit (sexueller) Gewalt an Kindern und Jugendlichen, die Forschung zum Dunkelfeld und Verbindungen zwischen Daten aus verschiedenen Sektoren des Hellfelds einbezieht, wie sie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert, ist in Deutschland noch nicht umgesetzt. Sie wird von dem neuen Zentrum für Forschung zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen (ZEFSG) aktuell vorbereitet. Die „Safe! Bundesweite Jugendstudie zu Gewalterfahrungen und deren Folgen“ wird 2026 durchgeführt werden. Die Ergebnisse zum Ausmaß sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen liegen voraussichtlich Ende 2027 vor und werden dann im UBSKM-Bericht an den Bundestag, Bundesrat und die Bundesregierung veröffentlicht.
Jeder siebte bis achte Erwachsene in Deutschland war von sexuellem Kindesmissbrauch betroffen
Zwei repräsentative retrospektive Studien aus den vergangenen Jahren kommen zu dem Ergebnis, dass etwa jeder siebte bis achte Erwachsene in Deutschland in seiner Kindheit und Jugend sexuelle Gewalterfahrungen machen musste. Diese Zahl ist allerdings nur bedingt auf heutige Kinder und Jugendliche übertragbar: Zum einen, weil in den Studien kaum Minderjährige befragt wurden.
Zum anderen war sexuelle Gewalt mittels digitaler Medien kein Gegenstand dieser älterer Studien. Auch ist nicht berücksichtigt, inwieweit veränderte Schutzfaktoren wie beispielsweise die Ächtung von körperlicher Gewalt in der Erziehung auch Einfluss auf die Häufigkeit von sexuellen Gewalterfahrungen haben.
Bezogen auf die Verteilung zwischen den Geschlechtern machen Mädchen etwa zwei Drittel der Betroffenen von sexuellem Missbrauch aus und Jungen etwa ein Drittel. Repräsentative Untersuchungen zu sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit Behinderungen (15- bis 65-Jährige) weisen darauf hin, dass diese zwei- bis dreimal häufiger sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgesetzt sind als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt.